Aktuelle TIV-Erklärung am 6.4.2026, zum Ende der Ostertage
TIV entsetzt über Hartleibigkeit
Konzerne halten die Politik für handlungsunfähig
Hartes Vorgehen des Staats ist das Gebot der Stunde
Enttäuscht und entsetzt musste der Tankstellen-Interessenverband (TIV) die Hartleibigkeit der Mineralölkonzerne in Sachen Spritpreise während der Ostertage 2026 zur Kenntnis nehmen. Offenbar halten die Konzerne die deutsche Regierung sowie das Kartellamt für handlungsunfähig und habe keine Angst vor ernsten Konsequenzen. Anders ist es schwer zu erklären, dass die Chance auf Markt und Preiskampf nach dem Österreichischen Modell so sehr mit Höchstpreisen seit dem Beginn der Regelung unterlaufen wurde. Der TIV hatte eine derartige Hartleibigkeit und ein Festhalten an derartiger Abzocke-Gier nicht für möglich gehalten und hatte deshalb die Einführung des Österreichischen Modells begrüßt. Leider ist die Politik-Idee gescheitert. Der Spritmarkt ist disfunktional; Wettbewerb und Preiskampf nach unten: Fehlanzeige.
Mutmaßlich spekulieren die Konzerne, dass die Regierung unter dem Druck der Wirtschaft und des Volkszorns die hohen Mineralölsteuern und die CO2-Abgabe in Deutschland einseitig aussetzt. Die Aussetzung von Steuern und Abgaben werden angesichts der zunehmend auch für die Wirtschaft kritischen Situation – insbesondere bei dem hohen Diesel-Preis – in der Tat immer notwendiger. Zugleich muss aus der Sicht des TIV sichergestellt werden, dass diese Steuererleichterungen auch in vollem Umfang an der Tankstelle und damit beim Bürger ankommen. Die Konzerne dürfen sich an den für die Bürger gedachten Steuererleichterungen nicht bereichern können.
Zugleich ist die Idee der Übergewinnsteuer mit hohem juristischem Risiko behaftet und würde auch nur Geld in die Haushaltskasse spülen. Der Bundeshaushalt profitiert dank der Mehrwertsteuer ohnehin schon heute von den hohen Spritpreisen. Gesucht ist also eine Lösung, mit der sich weder die Konzerne noch der Staat bereichern können und die nur und ausschließlich den Bürgerinnen und Bürgern zu Gute kommt.
Diese Lösung gibt es bereits, und zwar in Luxemburg. Das kleine Land zwingt den Konzernen einen Festpreis auf und hat zu gleich deutlich niedriger Steuern als Deutschland. Das ist eine harte Steuerung des Staates und ein massiver Eingriff in die wirtschaftliche Freiheit der Konzerne. Das Ergebnis: Spritpreise von deutlich unter 2 €.
Es ist unerklärlich, warum die Politik ständige neue, oft unausgegorene Ideen zur Senkung der Spritpreise formuliert, wenn im europäischen Nachbarland ein erprobtes Modell die Spritpreise nachhaltig senkt. Die Lösung kann nur heißen: Harte Daumenschrauben für die Mineralölkonzerne und zugleich Reduzierung der Steuerlast. Beide wäre politisch rasch umsetzbar. Für die jetzt nötige Härte und Klarheit wird vor allem eines gebraucht, und das ist politischer Mut – am besten für ganz Europa.
TIV-Erklärung, 13.3.2026
Verwunderung über den ZTG
Aktuell verbreitet der Mineralölwirtschaftsverband (en2x) gemeinsam mit den Branchenverbänden Bund freie Tankstellen (bft) und dem Zentralverband des Tankstellengewerbes (ZTG) eine irreführende Pressemitteilung. Die drei Verbände greifen mit unsauberen Formulierungen die aus der Sicht des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV) kluge und richtige Entscheidung von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche an, wonach Tankstellen nur noch einmal pro Tag einen Preis festzulegen dürfen, der dann in einem Preiskampf nach unten nur noch weniger werden kann.
In der Pressemitteilung wird behauptet, dass eine solche Maßnahme „insbesondere mittelständische Tankstellenbetreiber“ treffen würde, wobei doch gerade diese Tankstellenbetreiber flexibel auf den lokalen Wettbewerb reagieren würden und damit dazu beitrügen, “dass die Preise unter Druck bleiben“.
Diese Aussage ist irreführend, denn das Gros der kleinen, mittelständischen Tankstellenbetriebe in Deutschland sind Pächter der großen Mineralölkonzerne wie Aral, Shell, Esso, Jet oder Total/Circle K, die auf dem Spritmarkt ein Oligopol bilden. Diese Pächter haben keinerlei Einfluss auf die Preise an der Zapfsäule. Ihnen werden die Spritpreise von den großen Mineralölkonzernen direkt auf die Zapfsäule aufgespielt.
Die drei Verbände sprechen für mittelständische Tankstellenketten, die in der Tat ihre Preispolitik zu einem Teil selber gestalten können. Es ist aus der Sicht des TIV wichtig und ehrlich, hier eine saubere Trennung vorzunehmen zwischen den kleinen, nur formal selbstständigen Tankstellenpächtern, die eine oder mehrere Tankstellen betreiben und mittelständischen Tankstellenketten, die mehrere Duzend Tankstellen unter einem eigenen regionalen Markennamen betreiben.
Die drei Verbände sollten diese Unterscheidung deutlich machen, da insbesondere der ZTG – wohl ähnlich wie der TIV – ausdrücklich genau diese kleinen, selbstständigen Tankstellenpächter vertritt, die eben keinerlei Einfluss auf die Preisgestaltung nehmen können.
Es ist aus der Sicht des TIV fragwürdig, dass eine Wirtschaftsministerin, die nach längerem Zögern und Abwägen eine kluge und richtige Entscheidung getroffen hat, durch eine in diesem Sinne unsaubere PR-Kampagne von Lobbyverbänden umgestimmt werden soll. Diese PR-Kampagne versucht angesichts eines öffentlichen Marktversagens für geldgiere Mineralölkonzerne zu retten, was noch irgendwie zu retten ist.
Dass der ZTG den Ärger über die Preispolitik der Mineralölkonzerne der kleinen, selbstständigen Pächter anscheinend ignoriert, ist irritierend. Der ZTG scheint das vom TIV im Sinne seiner Mitglieder immer wieder kritisierte und vor sich hergetriebene Knechtsystem Tankstelle zu stützen, wenn er mit den Mineralölgesellschaften gemeinsame Sache macht.
Am Ende des Tages werden nach der Überzeugung des TIV die Befürchtungen der mittelständischen Tankstellenketten nicht eintreten. Gerade die mittelständischen, oft regional stark verankerten Ketten können sich an dem Preiskampf nach unten zum eigenen Vorteil und zum Vorteil der Autofahrer engagiert beteiligen. Am langen Ende werden sie ebenso zu den Gewinnern des politischen Signals aus Berlin zählen. Ebenso wie alle von den Mineralölgesellschaften abhängigen Tankstellenpächter, die endlich verlässliche Spritpreise und damit eine besser und freundlicher Verkaufsatmosphäre im Tankstellenshop bekommen.
Hier der irreführende Text:
https://en2x.de/2026/03/12/tankstellenverbaende-warnen-vor-preisregulierung-nach-oesterreichischem-vorbild/
Herbert W. Rabl
Pressesprecher des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV) e.V.
Heinestr. 3, 67433 Neustadt an der Weinstraße
Tel. 06321/880292, Fax 06321/880294
mobil 0172/6397000
presse@tankstellenverband.org
buero@tankstellenverband.org
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Aktuelle TIV-Erklärung am 11.3.2026
TIV begrüßt die Kehrtwende der Ministerin ausdrücklich
„Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) begrüßt aus- und nachdrücklich, dass die Wirtschaftsministerin eine zentrale Forderung unseres Verbandes ausgegriffen hat und umsetzen will. Das ist ein sehr guter, richtiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, weil mit Festschreibung eines Richtpreises, der sich nach Festsetzung nur noch nach unten bewegen kann, den Autofahrern endlich Berechenbarkeit und Verlässlichkeit gibt. In der Tankstelle – an der Kasse und im Verkaufsraum – kann damit endlich wieder Gelassenheit statt berechtigte Aufgeregtheit stattfinden.
Dass die Ministerin ihr ursprünglich eindeutige Haltung gegen jedwede Markteingriffe, aufgegeben hat, den Appell des TIV aufgreift und das österreichische Modell umsetzen will, zeigt weitsichtigen politischen Pragmatismus.
Im Gegensatz zu anderen Verbänden kommt der TIV, der mit den österreichischen Tankstellen eng verbunden ist, zu der Einschätzung, dass diese Maßnahme unterm Strich für die Autofahrer nicht teurer wird als der aktuell Preistanz mit bis zu 30 Spritpreisänderungen pro Tag. Von dem Preiskampf nach unten profitieren nach den in Österreich gemachten Erfahrungen die Autofahrer. Und für die Tankstellenpächter bedeutet eine solche Regelung Entspannung sowie weniger Stress.
Es ist deshalb sehr sinnvoll, dass Ministerin Reiche das „Österreichische Modell“ umsetzen will, wobei der entscheidende Faktor ist, ob und wie schnell diese Ankündigung umgesetzt wird. Reine Ankündigungspolitik würde nicht ausreichen, um die Preise mittelfristig nach unten zu drücken. Allerdings kann diese Entscheidung schnell kommen, denn der Prozess ist durch eine entsprechende Bundesratsinitiativ, die von Baden-Württemberg eingebracht wurde, bereits vorbereitet.
Österreich geht heute sogar noch einen richtigen Schritt weiter und plant, dass die Spritpreise nur noch an drei Tagen in der Woche fixiert werden dürfen und es danach nur noch nach unten gehen darf. Das wäre auch ein gutes, weiterführendes Modell für Deutschland.
Mit der Freigabe von Ölreserven – wie von der Internationalen Energieagentur (IEA) an alle Mitgliedstaaten erbeten – könnten insgesamt 400 Millionen Barrel Öl auf den Markt kommen. Diese beiden Maßnahmen sind geeignet, die Spritpreis zu stabilisieren oder sogar nach unten zu drücken. Ob die Preise allerdings so sprunghaft fallen, wie sie gestiegen sind, liegt nach wie vor in der Hand der großen Konzerne und deren Gewinnpolitik.“
Aktuelle TIV-Erklärung am 9.3.2026
Empörung wegen überhöhter Spritpreise
Unter dem frischen Eindruck der explodierenden Spritpreise an deutschen Tankstellen gibt der Sprecher des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV), Herbert W. Rabl, folgende Erklärung ab:
„Ich fürchte, die Ölkonzerne reichen erneut steigende Ölpreise sofort weiter und denken gar nicht daran den sinkenden Ölpreis in Form von Preisreduzierungen an die Verbraucher weiterzugeben.
Die Vermutung drängt sich auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was herauszuholen ist, quasi als flächendeckenden Test: Sogar 2,50 Euro und mehr pro Liter sind am Ende denkbar, je nach dem wie sehr der Iran-Krieg eskaliert.
Das ist Raubtierkapitalismus internationaler Konzerne, die mit einer Mentalität agieren, die ins 19. Jahrhundert gehört, aber mit der in Deutschland entwickelten sozialen Marktwirtschaft nichts zu tun hat. So dreist auf dem Rücken der Verbraucher würde kein deutscher Konzernchef sich wagen abzukassieren. Das Versprechen des Kapitalismus in der sozialen Marktwirtschaft ist Wohlstand für alle und nicht Abzocke um jeden Preis.
Die Tankstellenpächter haben keinen Einfluss auf die Preise und werden an den sprudelnden Gewinnen auch nicht beteiligt; sie bekommen den Ärger der Verbraucher ab – und ein oder zwei Cent Provision je verkauftem pro Liter Sprit, nicht mehr. Zugleich verderben die hohen Preise die Stimmung und damit das Shop-Geschäft in den Tankstellen, das zirka 60 Prozent der Einnahmen ausmacht. Der Spritverkauf macht nur 20 Prozent der Einnahmen aus, etwa weitere 20 Prozent kommen von der Autowäsche und Zusatzgeschäften. Der Tankstellen-Interessenverband macht genau auf diese Zusammenhänge aufmerksam, denn der einzelne Pächter oder Eigentümer hat keine Stimme gegenüber den mächtigen Konzernen.
Nirgendwo in Europa sind die Spritpreise in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie in Deutschland. Meine Vermutung: Die Konzerne wissen, dass sie von Bundesministerin Reiche nichts zu befürchten haben. In nahezu allen Nachbarländern ist die Marktwillkür der Mineralölkonzerne schärfer reguliert als in bei uns. Deutschland leistet sich hohe Besteuerung des Sprits und sitzt zugleich der Mineralöl-Lobby auf dem Schoß. Das ist keine verbraucherfreundliche Mischung. Das Kartellamt sollte sich das „SystenTankstelle“, einschließlich der Knebelverträge für den Shop-Einkauf sehr gründlich anschauen.
Wir als die Interessenvertreter der Tankstellenbetreiber sind deshalb so sauer, weil wir Tankstellenpächter den Kopf für die Marke hinhalten und zugleich den geballten Frust der Autofahrer abkriegen. Wir werden beschimpft, beleidigt und in Diskussionen verwickelt für eine gierige Preispolitik, die wir nicht beeinflussen können und auch nicht zu verantworten haben. Wir sehen selber aus dem Fenster und wundern uns was der die algorhythmisch Preisbildung uns und allen Autofahrer jetzt schon wieder zumutet.
Noch eine Anmerkung: Der Umstand, dass der Preis für HVO 100 als Dieselersatz ähnlich hochgesprungen ist wie der normale Diesel ist der sichtbare Beweis für die von uns behauptete Abzocke, denn HVO 100 hat mit dem Krieg nichts zu tun. Es ist sehr schade, dass hier sichtbare Gewinngier den Hochlauf einer echten Diesel-Alternative verhindert.
Ein zusätzliches, mächtiges Ärgernis ist, dass die hohe Preise aus den Tankstellen in Grenznähe die Kunden vertreiben, weil im europäischen Ausland die Preise deutlich niedriger sind. Damit müssen die Tankstellenpächter nicht nur den Frust und die Wareneinbußen im Shop aushalten, sondern verlieren auch noch massiv Kundschaft. – Der TIV fordert die Autofahrer auf, der Heimattankstelle treu zu bleiben, denn diese Tankstelle sorgt auch noch morgen dafür, dass die Bevölkerung mit Mobilitätsenergie versorgt wird.“