Stellungname TIV-Sprecher, Stand: bis 11. März 2026
„Der Tankstellen-Interessenverband (TIV) begrüßt aus- und nachdrücklich, dass die Wirtschaftsministerin eine zentrale Forderung unseres Verbandes ausgegriffen hat und umsetzen will. Das ist ein sehr guter, richtiger und wichtiger Schritt in die richtige Richtung, weil mit Festschreibung eines Richtpreises, der sich nach Festsetzung nur noch nach unten bewegen kann, den Autofahrern endlich Berechenbarkeit und Verlässlichkeit gibt. In der Tankstelle – an der Kasse und im Verkaufsraum – kann damit endlich wieder Gelassenheit statt berechtigte Aufgeregtheit stattfinden.
Im Gegensatz zu anderen Verbänden kommt der TIV, der mit den österreichischen Tankstellen eng verbunden ist, zu der Einschätzung, dass diese Maßnahme unterm Strich für die Autofahrer nicht teurer wird als der aktuell Preistanz mit bis zu 30 Spritpreisänderungen pro Tag. Von dem Preiskampf nach unten profitieren nach den in Österreich gemachten Erfahrungen die Autofahrer. Und für die Tankstellenpächter bedeutet eine solche Regelung Entspannung sowie weniger Stress.
Es ist deshalb sehr sinnvoll, dass Ministerin Reiche das „Österreichische Modell“ umsetzen will, wobei der entscheidende Faktor ist, ob und wie schnell diese Ankündigung umgesetzt wird. Reine Ankündigungspolitik würde nicht ausreichen, um die Preise mittelfristig nach unten zu drücken. Allerdings kann diese Entscheidung schnell kommen, denn der Prozess ist durch eine entsprechende Bundesratsinitiativ, die von Baden-Württemberg eingebracht wurde, bereits vorbereitet.
Österreich geht heute sogar noch einen richtigen Schritt weiter und plant, dass die Spritpreise nur noch an drei Tagen in der Woche fixiert werden dürfen und es danach nur noch nach unten gehen darf. Das wäre auch ein gutes, weiterführendes Modell für Deutschland.
Mit der Freigabe von Ölreserven – wie von der Internationalen Energieagentur (IEA) an alle Mitgliedstaaten erbeten – könnten insgesamt 400 Millionen Barrel Öl auf den Markt kommen. Diese beiden Maßnahmen sind geeignet, die Spritpreis zu stabilisieren oder sogar nach unten zu drücken. Ob die Preise allerdings so sprunghaft fallen, wie sie gestiegen sind, liegt nach wie vor in der Hand der großen Konzerne und deren Gewinnpolitik.“
Stellungname TIV-Sprecher, Stand: bis 10. März 2026
„Ich fürchte, die Ölkonzerne reichen erneut steigende Ölpreise sofort weiter und denken gar nicht daran den sinkenden Ölpreis in Form von Preisreduzierungen an die Verbraucher weiterzugeben.
Die Vermutung drängt sich auf, dass die Mineralölkonzerne den deutschen Markt nutzen, um zu sehen, was herauszuholen ist, quasi als flächendeckenden Test: Sogar 2,50 Euro und mehr pro Liter sind am Ende denkbar, je nach dem wie sehr der Iran-Krieg eskaliert.
Das ist Raubtierkapitalismus internationaler Konzerne, die mit einer Mentalität agieren, die ins 19. Jahrhundert gehört, aber mit der in Deutschland entwickelten sozialen Marktwirtschaft nichts zu tun hat. So dreist auf dem Rücken der Verbraucher würde kein deutscher Konzernchef sich wagen abzukassieren. Das Versprechen des Kapitalismus in der sozialen Marktwirtschaft ist Wohlstand für alle und nicht Abzocke um jeden Preis.
Die Tankstellenpächter haben keinen Einfluss auf die Preise und werden an den sprudelnden Gewinnen auch nicht beteiligt; sie bekommen den Ärger der Verbraucher ab – und ein oder zwei Cent Provision je verkauftem pro Liter Sprit, nicht mehr. Zugleich verderben die hohen Preise die Stimmung und damit das Shop-Geschäft in den Tankstellen, das zirka 60 Prozent der Einnahmen ausmacht. Der Spritverkauf macht nur 20 Prozent der Einnahmen aus, etwa weitere 20 Prozent kommen von der Autowäsche und Zusatzgeschäften. Der Tankstellen-Interessenverband macht genau auf diese Zusammenhänge aufmerksam, denn der einzelne Pächter oder Eigentümer hat keine Stimme gegenüber den mächtigen Konzernen.
Nirgendwo in Europa sind die Spritpreise in der vergangenen Woche so stark gestiegen wie in Deutschland. Meine Vermutung: Die Konzerne wissen, dass sie von Bundesministerin Reiche nichts zu befürchten haben. In nahezu allen Nachbarländern ist die Marktwillkür der Mineralölkonzerne schärfer reguliert als in bei uns. Deutschland leistet sich hohe Besteuerung des Sprits und sitzt zugleich der Mineralöl-Lobby auf dem Schoß. Das ist keine verbraucherfreundliche Mischung. Das Kartellamt sollte sich das „SystenTankstelle“, einschließlich der Knebelverträge für den Shop-Einkauf sehr gründlich anschauen.
Wir als die Interessenvertreter der Tankstellenbetreiber sind deshalb so sauer, weil wir Tankstellenpächter den Kopf für die Marke hinhalten und zugleich den geballten Frust der Autofahrer abkriegen. Wir werden beschimpft, beleidigt und in Diskussionen verwickelt für eine gierige Preispolitik, die wir nicht beeinflussen können und auch nicht zu verantworten haben. Wir sehen selber aus dem Fenster und wundern uns was der die algorhythmisch Preisbildung uns und allen Autofahrer jetzt schon wieder zumutet.
Noch eine Anmerkung: Der Umstand, dass der Preis für HVO 100 als Dieselersatz ähnlich hochgesprungen ist wie der normale Diesel ist der sichtbare Beweis für die von uns behauptete Abzocke, denn HVO 100 hat mit dem Krieg nichts zu tun. Es ist sehr schade, dass hier sichtbare Gewinngier den Hochlauf einer echten Diesel-Alternative verhindert.
Ein zusätzliches, mächtiges Ärgernis ist, dass die hohe Preise aus den Tankstellen in Grenznähe die Kunden vertreiben, weil im europäischen Ausland die Preise deutlich niedriger sind. Damit müssen die Tankstellenpächter nicht nur den Frust und die Wareneinbußen im Shop aushalten, sondern verlieren auch noch massiv Kundschaft. – Der TIV fordert die Autofahrer auf, der Heimattankstelle treu zu bleiben, denn diese Tankstelle sorgt auch noch morgen dafür, dass die Bevölkerung mit Mobilitätsenergie versorgt wird.“