Ein langfristiges Marketing-Kalkül der Mineralölgesellschaften ist denkbar

Neustadt / 12.02.2019. Zu den sich aktuell nahezu angleichenden Preisen der Kraftstoffe Diesel und E 10 an deutschen Tankstellen nimmt der TIV Stellung.

Es ist richtig und bundesweit zu beobachten, dass sich die Preise der Kraftstoffe Diesel und E10 in diesen Tagen sehr deutlich annähern, mancherorts sogar gleichauf liegen. Aus Nordbayern und Ostwürttemberg werden dem TIV sogar Preise gemeldet, bei denen E 10 zu bestimmten Tageszeiten 3 Eurocent unter dem Dieselpreis je Liter liegen.

Traditionell begründen die Mineralölgesellschaften einen Preisanstieg beim Diesel mit der gestiegenen Nachfrage, insbesondere in den Wintermonaten, in und außerhalb Europas. Hinzu komme ein deutlicher Anstieg des Schwerlastverkehrs weltweit.

Eine andere Lesart der Thematik ist die Verbilligung von Benzin im Vergleich zum Diesel, was mit der Produktionsmethodik begründet wird. Raffinerien können nicht Diesel oder Benzin herstellen, sondern die beiden Kraftstoffproduktionen hängen zusammen und bedingen sich wechselseitig. Steigende Dieselnachfrage führe so zu einem Überschuss an Benzin und damit zur Verbilligung dieses Kraftstoffs.

Aus der Sicht des Tankstelleninteressenverbandes (TIV) erklären diese weltweit wirkenden Gegebenheiten nur bedingt die in der Tat überraschende Entwicklung auf dem deutschen Markt. In Kenntnis der langfristigen Strategien der vom Aktienmarkt getriebenen Mineralölgesellschaften schließt der TIV ein Marketing-Kalkül nicht aus, das zukünftige Märkte vorbereiten soll.

Mit dem Wegfall des Normal-Benzins ist an der Tankstelle ein Preissegment weggebrochen. Im unteren Preissegment an der Tankstelle rangieren Diesel, E 10 und Super als drei Kraftstoffe, die jeweils bestimmte Käuferschichten und Zielgruppen ansprechen. Im oberen Preissegment mit einem Abstand von zirka 20 Eurocent je Liter rangieren die Plus-Marken, Super-Plus und Diesel-Plus. Eine „Öko-Alternative“ fehlt im oberen Preissegment.

Die bisherige gewinnorientierte Politik der Gesellschaften lässt vermuten, dass mit Hochdruck daran gearbeitet wird, die umweltbewussteren Zielgruppen auch im oberen Preissegment zu bedienen. Seit Jahren forscht die Autoindustrie und die Mineralölwirtschaft an hochwertigen synthetischen Kraftstoffen, die nicht aus Erdöl, sondern aus und mit regenerativen Energiequellen hergestellt werden. Wie weit diese Forschungen sind und ob Marktreife bereits besteht, ist offen. Die Einführung eines solchen Kraftstoffs würde den Marketing- und Angebots-Mix im oberen Preissegment an der Zapfsäule sinnhaft ergänzen und zusätzliche Umsätze sowie Gewinnmargen eröffnen.

Vor diesem Hintergrund macht es marketingstrategisch Sinn, mittel- und langfristig die Preise im unteren Segment als miteinander konkurrierende Preiseinheit zu gestalten, um eine vergleichbare Preiseinheit für den anspruchsvolleren Autofahrer im oberen Preissegment in absehbarer Zeit zu positionieren.