Eindeutiges Meinungsbild in Nordrhein-Westfalen: Rund drei Viertel der Autofahrer wollen auch sonntags ihr Auto waschen dürfen

Düsseldorf / Neustadt. Der Trend ist klar. Die überwiegende Mehrheit der Autofahrerinnen und Autofahrer in Nordrhein-Westfalen wollen auch am Sonntag ihr Auto waschen dürfen. Dies geht aus einer Meinungsumfrage des Tankstellen-Interessenverbandes (TIV) hervor, die der TIV in der
vergangenen 44. Kalenderwoche landesweit durchgeführt hat. Ergebnis: 75 Prozent der insgesamt 36.385 befragten Tankstellenkunden sprechen sich für eine Abschaffung des Sonntagswaschverbots in Nordrhein-Westfalen aus.

Das Thema „Sonntagswaschverbot“ ist ein deutschlandweites Kuriosum. Es wird über die Sonn-und Feiertagsgesetzgebung der einzelnen Bundesländer föderal geregelt. Nur in sechs Bundesländer gilt ein absolutes Sonntagswaschverbot und zwar in Baden-Württemberg, Bremen,
Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland. In Bayern und in Hessen ist eine Erlaubnis der Gemeinde überlassen und diese Erlaubnisse werden großzügig gehandhabt.
In Berlin, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen ist die Autowäsche an Sonntagen prinzipiell erlaubt. Besonders kurios ist, dass keine parteipolitisch oder konfessionell nachvollziehbare Tendenz sichtbar ist, ob
sonntags das Auto durch eine Waschanlage an einer Tankstelle gefahren werden darf oder ob dies verboten ist.

Die europäischen Nachbarländer haben längst die erkannt, wie überholt die Regelung ist. Die Liste der Staaten in der freie Bürger den Autowaschtag frei wählen können ist lang: Belgien, Bosnien-Herzegowina, Bulgarien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Kroatien,
Lettland, Litauen, Luxemburg, Mazedonien, Montenegro, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Serbien, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Vereinigtes Königreich. Lediglich in der Schweiz regeln die Kantone das Sonntagswaschverbot unterschiedlich.

Dieser Blick über den Tellerrand kennzeichnet das Sonntagswaschverbot in dem modernen Flächenbundesland Nordrhein-Westfalen aus Sicht des TIV als antiquiert. Hinzu kommt, dass an Tankstellen sonntags ohnehin gearbeitet wird und es keinen Unterschied macht, ob die Kassenkraft Kraftstoffe oder Waschanlage abrechnet. Vielmehr wird der Arbeitsplatz gesichert. Wie der Verbraucher denkt, zeigt die TIV-Meinungsumfrage überdeutlich. Dass ein Waschen in der umweltgerecht installierten und schallgeschützten Portalwaschanlage wesentlich umweltfreundlicher ist als eine sonntäglich, private Autowasch-Aktion auf der Straße, sollte sich
von selbst verstehen.
Für die mittelständischen Tankstellenbetreiber bedeutet das Sonntagswaschverbot grob geschätzt eine jährliche Gewinneinbuße zwischen 5.000 und 10.000 Euro. Das ist angesichts eines
Jahresgewinns, der mancherorts – insbesondere im ländlichen Raum bundesweit – nach TIVErkenntnissen rund 30.000 Euro kaum übersteigt, ein herbes Minus. Dass die Städte und Gemeinden durch einen höheren Jahresgewinn an örtlichen Tankstellen über die Gewerbesteuer
mitverdienen würden, sei nur am Rande erwähnt. Bund und Länder würden über die Mehrwertsteuer ebenfalls mehr einnehmen.

Insgesamt ergibt sich aus der Sicht des Tankstellen-Interessenverbandes nach dieser Umfrage ein klares Bild:

Das Sonntagswaschverbot ist nicht mehr zeitgemäß. Die Abschaffung auch und gerade in Nordrhein-Westfalen ist überfällig. Diesen Appell richtet der Tankstellen-Interessenverband mit Nachdruck an die Landesregierung und fordert eine Initiative aus der Landesregierung und der Landesverwaltung, von der die Abschaffung eingeläutet wird.