Pro Tankstelle 2019

Eine Tankstelle braucht Hilfe

„Lothar der Säulenheilige“ soll erleben wie seine „Blaue Lagune“ hell und neu erstrahlt.  – Das ist der Neujahrswunsch des TIV an die Verantwortlichen in der Bischofsstadt Trier.

Ein Brief des Tankstellen-Interessenverbands (TIV) an das Rathaus von Trier ist unterwegs. Es geht um die Zuneigung von Bürgerinnen und Bürgern in Trier zu einer besonderen Tankstelle, die liebevoll von ihnen als „Blaue Lagune“ bezeichnet wird. Und es geht um Lothar Schmitz, TIV-Mitglied seit Jahrzehnten, der wie viele seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger verstehen möchte, warum das Märchen der „Blauen Lagune v on Trier“ noch nicht wahr geworden ist. Einmalig in Deutschland gibt es in Trier und für die „Blaue Lagune“ ein klares, demokratisches Votum, einen Bürgerentscheid für den Fortbestand dieser Tankstelle, aber „ich glaube, sie wollen die Blaue Lagune trotzdem nicht wachküssen“, meint Lothar Schmitz. Ob das Märchen der „Blauen Lagune von Trier“ gut ausgeht steht in den Sternen, aber der TIV arbeitet daran.

Das Märchen ist schnell erzählt: Lothar Schmitz (62) übernahm 1993 die Tankstelle an der Ostallee in Trier. Schon sein Vorgänger hatte die Station aus den 1950er Jahren 25 Jahre lang betrieben. Schmitz erkannte die Zeichen der Zeit, öffnete 24 Stunden am Tag, setzte im Shop auf Produktvielfalt, suchte und fand immer neue Produkte, „die kriegst Du in ganz Trier nicht“ (O-Ton Schmitz). Die Muttergesellschaft Aral war von der Schmitz-Strategie nicht ganz überzeugt, doch der setzte konsequent auf vielfältiges Getränkeangebot und machte mit Getränken mehr Umsatz als mit Tabak. „Heute backen wir und haben ein Bistro, alles auf kleinstem Raum. Vielfalt und Verfügbarkeit ist das Konzept. Heute hat die „Blaue Lagune“ Kult-Status in Trier“, so Schmitz.

Der Pressesprecher des Rathauses, Michael Schmitz (er ist mit Lothar nicht verwandt oder verschwägert) gesteht der „Blauen Lagune“ den Kultstatus zu. Nach 22 Uhr wäre Einkaufen in Trier schwierig und die „Blaue Lagune“  habe sogar Milch, berichtet Schmitz aus dem Rathaus. Allerdings sei die Tankstelle ein Relikt der 50er Jahre und sollte aus dem Grüngürtel der Stadt verschwinden, dies war schon 2012 die erklärte Haltung der Stadtverwaltung als es damals um die Verlängerung des Pachtvertrages ging. Mit nur einer Stimme Mehrheit bekamen Aral und Schmitz von der „Blauen Lagune“ nochmal fünf Jahre Verlängerung.

Doch 2017 sollte endgültig Schluss sein mit der „Blauen Lagune“. Doch aus der Mitte des Gemeinderats kam der Anstoß für ein Bürgerbegehren und die Trierer waren mobilisiert. Für das Bürgerbegehren gab es das nötige Quorum und so wurden 80.000 Bürgerinnen und Bürger von Trier zum Bürgerentscheid aufgerufen, ob die „Blaue Lagune“ bleiben soll oder nicht. Beide Schmitze erinnern sich an einen richtig aufgeheizten Meinungskampf mit Podiumsdiskussionen, Presse und allem Drum und Dran. Die Wahlbeteiligung war am Ende höher als bei der Bürgermeisterwahl und die Erhaltungsinitiative siegt haushoch.

Ein Jahr lang zogen sich die neuen Vertragsverhandlungen hin und kurz vor Weihnachten 2018 wurde der neue Pachtvertrag unterschrieben: Zehn Jahre Verlängerung und eine Option auf weitere fünf Jahre.

Dennoch ist das Märchen noch nicht wirklich gut ausgegangen. Lothar Schmitz berichtet: „Zu mir kommen Leute, die fragen, wie geht’s weiter. „Ihr wolltet doch neu bauen. Wieso passiert hier nichts.“ Und dann muss ich eben sagen: die Stadt will nicht.“

Tatsächlich scheinen die Gräben so tief, dass Aral, Lothar Schmitz und die Stadtverwaltung nicht konstruktiv miteinander reden, wie aus der etwas herunter gekommen „Blauen Lagune“ eine moderne Kult-Tankstelle werden kann. Der TIV macht in 2019 im Rahmen seines Jahres-Mottos „pro Tankstelle“ einen Anlauf, die Gespräche in Gang zu bringen.

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